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Reingehört ins Gotteslob

Reingehört ins Gotteslob XXXVII

"Menschen, die ihr wart verloren" (Nr. 245) von Christoph Bernhard Verspoell - Zum Abschluss der "alten" Weihnachtszeit noch mal ein triumphales Weihnachtslied.

Der Kirchenchor St. Georg a.d. Waldnaab schenkt uns seine Aufnahme: https://www.youtube.com/watch?v=2PbFQznU7VI

Ludwig Martin Jetschke alias "Lingualpfeife" begleitet an der Orgel: https://www.youtube.com/watch?v=mx3YV80BAyw

MombotzMusic Production hat aus der Musikschule Beckum-Warendorf auch eine beeindruckende Aufnahme gepostet: https://www.youtube.com/watch?v=i5P8_-gV6Fs

Das Lied ist ein ursprünglich zehnstrophiges katholisches Kirchenlied für den Weihnachtsfestkreis. Sowohl der Text wie die lebhafte Melodie mit ihrer wirkungsvollen Schlusssteigerung zum dreifachen „Ehre sei Gott“ stammen von dem münsterischen Geistlichen Christoph Bernhard Verspoell (1743–1818). War das Lied bis 2013 (lediglich) mit kleinen Textvariationen Bestandteil verschiedener Diözesananhänge des alten Gotteslobs, so steht es im neuen Gotteslob (2013) im Stammteil unter der Nummer 245. Hierzu werden die Originalstrophen 1, 5, 8 und 10 herangezogen und unter den laufenden Nummern 1 bis 4 in gleicher Reihenfolge wiedergegeben. (Quelle: Wikipedia)

Als Christoph Bernhard Verspoell begann, Kirchenlieder zu dichten und komponieren, ging es darum, nach dem Reichsdeputationhauptschluss von 1803 und der darauf folgenden Säkularisation, die Fundamente des Glaubens zu sichern. Dazu war für Verspoell das beste Mittel das gesungene Gotteslob. Nachdem er eine Reihe von Andachten für Kinder, für die im 18. Jahrhundert weit verbreitete Rosenkranzbruderschaft, und Gottesdienstvorlagen für Laiengruppen veröffentlicht hatte, schuf er neue Liedern zu allen Kirchenjahreszeiten wie „Menschen, die ihr wart verloren“, „Heiligste Nacht“, „Wahrer Gott, wir glauben dir“ und „Fest soll mein Taufbund immer stehen“. (Quelle: www.kathpedia.com)

Meinrad Walter schreibt auf der Seite des Deutschen Liturgischen Institutes:

Das Grundwort dieses Liedes heißt „Liebe“, inspiriert von der johanneischen Theologie im Neuen Testament. Die erste Strophe benennt die Inkarnation, denn die wichtigste Botschaft für alle Menschen ist die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn. Verstehen können wir dies aber nur als „Wunder“ und „Geheimnis“ (Strophe 2), dessen Bezugspunkt die Zweinaturenlehre ist: in Christus hat Gott alles geschaffen (Kolosserbrief); und dennoch begibt sich der Sohn Gottes, dem die ganze Schöpfung zu Füßen liegt, in äußerste Niedrigkeit, ja Hilflosigkeit. Die dritte Strophe schärft diesen theologischen Gedanken, indem sie sogar das „Leiden“ anklingen lässt. In der Passion setzt sich die Menschwerdung des Gottessohnes fort, um österlich vollendet zu werden.

Warum, so dürfen wir fragen, schafft Gott Welt und Mensch, und wozu schickt er seinen Sohn? Aus unermesslicher Liebe zu der ansonsten verlorenen Menschheit. Wie aber kann die menschliche Antwort darauf lauten? Das sagt die letzte Strophe im schönen Gedanken der Gegenliebe: „Menschen! Liebt, o liebt ihn wieder und vergesst der Liebe nie“. Wir sollen uns immer wieder der Liebe Gottes erinnern, wie der Dekalog und Jesus es im „Doppelgebot“ der Gottes- und Nächstenliebe formulieren. Dieses Lied ist eine Erinnerung daran, wenn es erklingt.

Die überaus gelungene und eingängige Musik entfaltet sich dreiteilig. Auf den hymnischen und in eine neue Tonart wechselnden Anfangsteil, dessen vier Takte sogleich wiederholt werden, folgt ein halb so langer, erneut durch Wiederholung geprägter Mittelteil in demütigem Gestus, bevor der markante Kehrvers mit dreifacher Steigerung des „Ehre sei Gott“ sozusagen den Schlussakkord setzt. Auch ein klassisches Klavierstück könnte als kleine Sonatine so aufgebaut sein – die originale Fassung des Liedes in Verspoells Orgelbegleitbuch (1810) verdeutlicht dies mit ihrer Zweistimmigkeit der rechten Hand und den pianistischen Figurationen der linken. Besonders reizvoll ist der harmonische Reichtum des Liedes, der am Notenbild erkennbar wird. Obwohl das Lied in D-Dur steht, erklingt nicht nur der leitereigene Ton g, sondern auch gis zur Modulation in die Oberdominante (A-Dur), außerdem neben dem Leitton cis auch c zur Modulation in die Unterdominante (G-Dur).

Typisch für die damalige Zeit sind die melodischen  Zeilenschlüsse, die zugleich textausdeutend wirken, zumindest bei der ersten Strophe: ein seufzender Vorhalt bei „verloren“ und „geboren“, dann eine bestätigend und ziestrebig den neuen Grundton a erreichende Wendung. Bei der Aufforderung „Lebet auf“ weitet sich die Melodie mit einem unerwarteten Quartsprung. Der Mittelteil führt melodisch abwärts und endet halbschlüssig, also ohne den Grundton zu erreichen – ein musikalisches Bild des demütigen Niederfallens. Der Schlussteil jedoch schwingt sich immer höher hinauf und vollzieht am Ende die bestätigende Dur-Tonleiter, allerdings wiederum abwärts gerichtet. Selbst im fanfarenhaft einsetzenden Jubel bleibt die demütige Geste noch wie ein Echo bewahrt.

Man darf gespannt sein, ob dieses Lied in den nächsten Jahren neue Sängerinnen und Sänger finden wird. Obwohl uns 200 Jahre von diesem Lied trennen und es nicht die Sprache der Gegenwart spricht, scheint es auch einer neuen Einführung zugänglich. Denn es stellt den Gesang der Engel in den Mittelpunkt und formuliert die Weihnachtsbotschaft überzeugend als menschliche Antwort hierauf.

Artikel inspiriert durch: www.gotteslob.katholisch.de


(Artikel eingestellt von: Benedikta Caspari 27-01-2017)

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